Programm 2026

Die QueerCademy 2026 wird vom 18. bis 22. November in Leipzig mit vier verschiedene Workshops stattfinden:

  • Aromatik und Asexualität – Zwischen Communitywissen und Wissenschaft – Laurin
  • Glaube und Identität im Konflikt? (Eine) Einführung in Queere Theologie – Kalle & Sofia
  • Queere Utopien und Dystopien in der nordamerikanischen Literatur – Leonie
  • Von Binaritäten, Achsen und Matrizen – die Mathematik und Physik von Geschlecht – Calle

Laurin (sie/they)

Aromatik und Asexualität – Zwischen Communitywissen und Wissenschaft

Asexualität ist eine sexuelle Orientierung für alle, die kaum bis keine sexuelle Anziehung verspüren. Aromantik ist eine romantische Orientierung für alle, die kaum bis keine romantische Anziehung verspüren. Diese Definitionen finden asexuelle und aromantische Personen jedoch häufig erst nach vielen Jahren, denn Aromantik und Asexualität werden selten thematisiert. Asexualität und Aromantik bleiben sowohl im Sexualkundeunterricht an der Schule, in queeren Organisationen, als auch an der Universität meistens unsichtbar. Wenn Aromantik und Asexualität erwähnt werden, bleibt es meistens leider bei der Definition, was es vielen Leuten erschwert sich vorzustellen, was es bedeutet aromantisch oder asexuell zu sein. Aromantik und Asexualität sind mehr als die Abwesenheit von Anziehung: Sie stehen für eine ganze queere Community mit vielen unterschiedlichsten Lebensrealitäten und einer Menge Wissen, welches die Community produziert hat. Und sie stehen auch für die wachsenden Forschungsfelder der Aromanticsm und Asexuality Studies. Dieser Workshop soll einen ersten Einblick in dieses Forschungsfeld sowie die dahinterstehenden Communities geben. Das Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, in dem Teilnehmende gemeinsam die Welt der Aromantik und Asexualität erkunden und in sie eintauchen können. 

Kalle

Sofia

Glaube und Identität im Konflikt? (Eine) Einführung in Queere Theologie

„God created Adam and Eve, not Adam and Steve“ und ähnliche Ausdrücke sind den meisten queeren Menschen wahrscheinlich mindestens einmal vorgeworfen worden. Mit ihnen wird eine Glaubensgemeinschaft verbunden, die im „Best Case“ nichts mit Queerness zu tun haben möchte und im „Worst Case“ queeren Identitäten gleich die gesamte Existenzberechtigung abspricht. Als wäre das nicht genug, steht am Ende ein G*tt, der anscheinend queere Menschen konsequent anschweigt.

Sofia und Kalle wollen dem etwas entgegensetzen und stellen sich gemeinsam mit euch die Frage, ob und wie man G*tt und Theologie auch queer denken kann und ob die Argumente der Gegenseite aus theologischer Sicht haltbar sind. Dazu wird es Einführungen in die wissenschaftliche Disziplin der Textauslegung (Exegese) und den gängigsten Argumentationssträngen der Queeren Theologie geben. 
Bei uns bist du richtig, wenn du Lust hast, dich mit (queeren) religiösen Fragestellungen zu beschäftigen, egal, ob du (christlich) glaubst oder nicht 😉

Leonie

Queere Utopien und Dystopien in der nordamerikanischen Literatur

Wie sieht eine Zukunft aus, in der queere Menschen selbstverständlich existieren, Beziehungen gestalten und Gesellschaft mitprägen können? Wie, wenn dies nicht der Fall ist? Während Dystopien seit langem zu den erfolgreichsten Formen der Science-Fiction und häufig von Kontrolle, Überwachung oder gesellschaftlichem Zusammenbruch erzählen, beschäftigen sich Utopien mit Zukunftsentwürfen, die Hoffnung, Vielfalt und neue Formen des Zusammenlebens in den Mittelpunkt stellen. Im dreitägigen Workshop „Beyond Apocalypse: Queere Utopien und Dystopien in der nordamerikanischen Literatur“ wollen wir literaturwissenschaftliche Forschung mit politischer und kultureller Gesellschaftskritik verbinden. Anhand ausgewählter Werke der nordamerikanischen Literatur lernen die Teilnehmenden grundlegende Verfahren der Textanalyse kennen und setzen sich mit zentralen Konzepten der Queer Studies auseinander. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Literatur gesellschaftliche Normen sichtbar macht, kritisiert und alternative Zukunftsvorstellungen entwirft. Neben literarischen Texten können andere Textformen wie z. B. Filme, Serien, Videospiele oder politische Kunst besprochen werden. Englischkenntnisse zum Lesen der Texte sollten vorhanden sein.

Calle

Von Binaritäten, Achsen und Matrizen – die Mathematik und Physik von Geschlecht

Wenn wir über Geschlecht reden, sind mathematische Metaphern zumeist nicht fern: Wir sprechen von zwei, drei, oder mehr Geschlechtern, in der Intersektionalitätstheorie werden Geschlecht und andere Identitätskategorien häufig als sich schneidende Achsen dargestellt, und Queertheoretiker*in Judith Butler konzipiert eine „heterosexuelle Matrix“, in der Geschlecht und Sexualität voneinander abhängen. Aber woher kommen eigentlich diese ganzen Begriffe, warum verwenden Philosoph*innen und Sozialwissenschaftler*innen so viel mathematisches Vokabular, und wie kann man ihre Modelle produktiv weiterdenken?

In diesem Workshop nehmen wir die Metaphern in den Fokus. Als Lupe dient uns dabei ein buntes Konglomerat an Queer Theory, Mathematik, Physik und Wissenschaftsphilosophie – Einblicke in mehrere Disziplinen sind also garantiert, Vorwissen nicht nötig, Interesse allerdings von großem Vorteil!