Kursübersicht

1 – Was haben Polynome mit CDs zu tun?

Georg Hoever & Thomas Kalthoff

Werden Nachrichten – oder besser gesagt „Daten“ – zwischen technischen Systemen verschickt, so können bei der Übertragung Teile verfälscht werden oder verloren gehen. Wie kann man – vielleicht aus dem Kontext heraus – diese Stellen erkennen oder sogar rekonstruieren? Die gleiche Fragestellung tritt beispielsweise auch beim Lesen einer CD oder beim Scannen von QR-Codes auf.

Zur Lösung dieses Problems fügt man gezielt Redundanz, d. h. „überflüssige“ Daten, hinzu. Die entstehenden Codewörter sind so gebaut, dass die ursprünglichen Informationen, falls ein nicht zu großer Teil verfälscht wird, wieder rekonstruiert werden können. Ziel des Kurses ist die Einführung in diese Codierungstheorie und die Erarbeitung der dazu nötigen mathematischen Hilfsmittel.

Üblicherweise liegen die Daten binär vor, also als Folge von Nullen und Einsen. Um damit rechnen zu können, nutzt man endliche Körper. Außerdem spielen Vektorräume und Matrix-Vektor-Multiplikationen eine zentrale Rolle. Der Reed-Solomon-Code, der zum Beispiel bei der CD oder bei QR-Codes eingesetzt wird, benutzt wiederum Polynomdivision. Wie dies genutzt werden kann, um die oben genannte Redundanz hinzuzufügen, wird im Kurs geklärt.


2 – Von der Quantenmechanik zum Quantencomputer

Marc Robin Strohmeier & Michael Rautenberg

Die Quantenmechanik ist eine der am besten getesteten Theorien der modernen Physik. Sie liefert eine Vielzahl an Erklärungen z.B. in der Atom- und Teilchenphysik und hat außerdem viele Anwendungen gefunden, die aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Auch wurde schon früh das Potenzial der Quantenmechanik erkannt, komplexe Probleme mithilfe eines Quantencomputers effizient zu lösen.

Ziel des Kurses ist es, einfache Algorithmen zu verstehen und auf einem Quantencomputer auszuführen. Dafür gibt der Kurs zunächst eine kurze Einführung in verschiedene Quantenphänomene und erläutert dabei die mathematische Beschreibung der Quantenmechanik. Mit Hilfe dieser Grundlagen wird im weiteren Verlauf des Kurses der Aufbau und die Funktionsweise eines Quantencomputers erklärt, wobei sich die Teilnehmenden Inhalte selbstständig erarbeiten sowie in kurzen Referaten gegenseitig präsentieren werden.

Um die für den Betrieb eines Quantencomputers nötigen Quantenbits zu verstehen, führt der Kurs zunächst das sogenannte Zwei-Niveau System ein. Anschließend erarbeiten sich die Teilnehmenden anhand verschiedener Beispiele grundlegende Phänomene der Quantenmechanik, einschließlich ihrer Interpretation entsprechend der Kopenhagener Deutung.


3 – Möglichkeiten und Risiken der Gentechnik – Vom Bauchgefühl zum Fakt

Tobias Walther & Julia Rühle

Insektenresistente Pflanzen, leuchtende Fische und Designerbabys – erstaunliche Möglichkeiten der Gentechnik. Allerdings spielt gentechnische Arbeit schon lange nicht mehr nur in der Wissenschaft eine Rolle, sondern ist Teil des alltäglichen Lebens, ob beim Kauf von Schokolade im Supermarkt oder beim Trinken eines Bierchens in der Bar um die Ecke. 2019 wurde sogar eine genetisch-modifizierte Reissorte zugelassen, die durch Vitamin-A-Mangel hervorgerufener Blindheit vorbeugt. Die Gentechnik ist also in fast allen Lebensbereichen zu finden.

Doch wie kann das Erbgut von Organismen verändert werden und welche Chancen ergeben sich daraus? Welche Methoden gibt es, lebende Organismen zu verändern oder künstliche Organismen zu erschaffen? Welche Aspekte erfordern eine skeptischere Betrachtung?


4 – Moderne Nationalmythen und ihr Mittelalter

Lina Zhou & Leon Julius Biela

Identität braucht Vergangenheit. Nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Gemeinschaften wie Städte und Staaten bedienen sich vergangener Ereignisse, um eine Geschichte von sich zu erzählen und sich so selbst zu definieren. Für europäische Nationen war und ist dafür das Mittelalter ein zentraler Bezugspunkt. Als eine Zeit, in der sich Volkssprachen herausbilden und nach dem „Fall“ des römischen Reiches kulturelle und politische Zugehörigkeiten neu verhandelt werden, hält das Mittelalter gut her für Nationalmythen aller Art. Nicht selten sind dies Rückprojektionen und nur lose inspiriert von dem, was aus den mittelalterlichen Quellen hervorgeht. Gleichzeitig aber verraten uns diese Zerrbilder viel Spannendes über die Moderne, die sie hervorgebracht hat.


5 – America Unhinged – Zeitgeschichte und Gesellschaft der USA im Spiegel des amerikanischen Films

Ricarda Wagner & Matthias Berger

Auch hierzulande ist in öffentlichen wie privaten Diskussionen die politische Lage wohl keines Landes so präsent wie die der USA. Immer wieder wird dabei die Frage aufgeworfen, wie es so weit kommen konnte, dass Radikalisierung und Polarisierung die amerikanische Demokratie zu zerreißen drohen. Die zahlreichen Diagnosen und Antworten, die für diese Frage angeboten werden, führen häufig eher zu Verwirrung und vorschnellen Urteilen. Deshalb erarbeitet, untersucht und diskutiert dieser Kurs ausführlich jene kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Triebkräfte und Entwicklungen der amerikanischen Zeitgeschichte, die die Gegenwart und damit die Zukunft des Landes prägen. Die Teilnehmenden werden so in die Lage versetzt, ein historisch fundiertes Verständnis der bedeutenden Gegenwartsfragen der USA zu entwickeln und mit reflektierten Perspektiven an Diskussionen über sie teilzunehmen.


6 – Literatur und Recht – Im Zweifel für den Angeklagten

Alina Wolski & Arthur Wei-Kang Liu

Literatur, die das Recht zum Thema hat, ist ein lang bekanntes Phänomen. Schon Cicero beschäftigt sich mit dem Recht auf fiktionaler Ebene. Bis in die heutige Zeit entstanden viele solcher Werke (z.B. Dickens, Camus, Kafka, Nabokov, Orwell). Besonders auch im 21. Jhd. kann man eine Flut von fiktionaler, rechtlicher Literatur beobachten (z.B. Schlink, Zeh, Schirach, Kriminalromane). Dieser Kurs beschäftigt sich genau mit diesem Phänomen, mit der „Literatur- und Recht“-Bewegung.

Der erste Teil des Kurses behandelt „Recht in der Literatur“ (rechtsphilosophische Fragestellungen in literarischen Texten) und „Recht als Literatur“ (die literarische Analyse juristischer Texte). Zum Abschluss bespricht der Kurs einige Ansichten von bedeutenden Persönlichkeiten dieser Bewegung (z.B. Cardozo, Boyd, White), darunter auch berühmte Rechtsphilosophen (Dworkin und Posner).

Der zweite Teil des Kurses nimmt sich der Perspektive dieser beiden Bereiche an. Dabei untersuchen die Teilnehmenden Romane, Epen, Dramen und Kurzgeschichten aus allen Epochen, sowie aktuelle (auch kuriose) Urteile. Der Kurs endet mit einer Diskussion darüber, ob und wie die Werke der literarischen Fiktion zum juristischen Denken und zur Rechtspraxis beitragen können und welchen Mehrwert die literarische Analyse von juristischen Texten entfaltet.