Kurs 6: Von »Edlen Wilden« und »Barbaren«

Kulturen im Kontakt

Menschen sind ständig in Kontakt: Sie treiben Handel, ziehen in den Krieg oder suchen das Abenteuer. Dabei ist es unvermeidlich, dass sie mit Menschen anderer Kulturen in Kontakt kommen. Anhand einer Reihe von Beispielen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert wird untersucht, welche Reaktionen auf »fremde« Kulturen in bestimmten historischen Situationen möglich waren und inwiefern und wie sich diese Kulturen gegenseitig beeinflusst haben. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern kulturelle Veränderungen im Kontakt mit anderen Kulturen als passive Übernahme einer Kultur durch eine bestimmte Gruppe verstanden werden können oder ob man nicht vielmehr von kreativen Prozessen der Aneignung und Wiederverwendung beziehungsweise von Wechselbeziehungen zwischen Kulturen ausgehen sollte.

Einleitend wird problematisiert, dass auch die Vorstellungen von »Kultur« historischen Veränderungen unterlagen. Im Kurs soll ein offener Kulturbegriff definiert werden, der nicht nur auf Phänomene aus der »Hochkultur« angewandt werden kann. Anhand der Beispiele sollen verschiedene Methoden und Theorien erprobt werden, mit denen man Kulturkontakte analysieren kann.

Im ersten Themenblock werden verschiedene Beispiele von Kulturkontakten im Mittelalter behandelt. Zunächst soll gefragt werden, ob mit dem Konzept »Mittelalter« nur eine einzige Kultur verbunden ist oder ob mehrere Kulturen ausgemacht werden können, beziehungsweise mit Hilfe welcher Kriterien unterschiedliche Kulturen im Mittelalter differenziert werden können.

Dafür werden beispielsweise Kontakte von Angehörigen unterschiedlicher Religionen untersucht. Beispielsweise standen Christen und Muslime im Mittelalter nicht nur im Rahmen der Kreuzzüge miteinander im Kontakt, sondern lebten auch im Mittelmeerraum nebeneinander. Im Kurs werden außerdem Kontakte zwischen verschiedenen Kulturen innerhalb derselben Religionsgemeinschaft untersucht.

Der zweite Themenblock beschäftigt sich mit Kulturkontakten in der Neuzeit. Als Beispiel sollen hier etwa die Native Americans untersucht werden, die nicht nur als Kriegsgegner und Verhandlungspartner der Kolonialherren und später der USA auftraten, sondern sich auch als eigenmächtige Akteure in innereuropäische Konflikte einschalteten. Es ist zu ergründen, welche Handlungsspielräume sich ihnen eröffneten und welche Wahrnehmungsmuster und Stereotypen sich im Kulturkontakt herausbildeten.

Als Europäer liegen uns diejenigen Beispiele näher, die Europäer im Kontakt mit als »fremd« wahrgenommenen Kulturen zeigen, dennoch ist es wichtig, auch nicht-europäische Kulturkontakte zu beachten. Die Ergebnisse aus den vorherigen Untersuchungen sollen auch daraufhin überprüft werden, inwiefern sie zeitlich und kulturell kontextgebunden sind, oder ob sich einzelne Konzepte, Phänomene und Strukturen auch in außereuropäische Zusammenhänge anwenden und wiederfinden lassen.

Clara Hillebrecht, Simone Wagner

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