Kurs 5: Schulpsychologie

Psychologie zwischen Forschung und Praxis

Durch den gut gemeinten Versuch, das Lernen in der Schule zu verbessern, wird eine Vielzahl von Veränderungen politisch gefördert: Bei Schülern werden immer zahlreichere Störungen diagnostiziert, Lehrer sollen durch verschiedene Angebote entlastet werden und G9 wird zu G8 wird zu G9. Doch welche Veränderungen sind notwendig, damit das System Schule den sich verändernden Bedingungen unserer aktuellen Welt gewachsen ist?

Oder anders: Pisa-Schock, Schulfrust und ADHS sind in aller Munde, sollte dies auch für Ritalin und Anti-Depressiva gelten?

In diesem Kurs soll erarbeitet werden, ob die Schulpsychologie Antworten auf diese Fragen hat. Neben einem Überblick über ihre vielfältigen Aufgabenbereiche soll ein Schwerpunkt auf die wissenschaftlichen Grundlagen der psychologischen Teildisziplinen der Entwicklungs-, pädagogischen und klinischen Psychologie gelegt werden. Hierbei wird insbesondere die Entwicklung von Lernmechanismen im Kindesalter im Mittelpunkt stehen, wobei neben allgemeinen Theorien der Entwicklung von Lernen und Gedächtnis der Schwerpunkt auf schulrelevante Bereiche (lesen, schreiben, rechnen) gelegt werden soll. In diesem Zusammenhang werden auch die biologischen Grundlagen, die Diagnostik und die mögliche Therapie von typischen Leistungsstörungen (Lese-Rechtschreibstörung, Dyskalkulie) Thema sein.

So sind Statistik, psycho(bio)logische Theorien und psychologische Testverfahren in diesem Seminar gleichermaßen wichtig wie deren Anwendung bei ADHS, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Leistungsstörungen, Angststörungen, Depression und Störungen des Sozialverhaltens.

Im Zuge dessen wird in der Gruppe beleuchtet, welche Störungen in den verschiedenen Altersgruppen die häufigsten sind, wie diese das Leben des Einzelnen verändern und wie gegen deren negative Auswirkungen vorgegangen werden kann. Dazu gehört auch die Frage nach den Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und Wirkungsweisen einer medikamentösen Therapie. Die Sichtweisen und Therapieansätze, die dieser Betrachtung zu Grunde liegen sollen, sind die der kognitiven Verhaltenstherapie, welche bei zahlreichen Störungen erwiesenermaßen die größte Wirksamkeit aufweist.

Schließlich werden die Verbesserungs- und Behandlungsvorschläge auf ihre Umsetzbarkeit und Wirksamkeit hin untersucht. Hierbei wird auch die (angedachte) Rolle von Schulpsychologen als Feuerwehrmann/frau, Berater und Coach für Schüler, Eltern und Lehrkräfte diskutieren. Am Schluss steht also die Frage, wie einer heterogenen Schülerschaft ermöglicht werden kann, in der Schule Lern- und Lebensziele zu erreichen.

Teilnahmevoraussetzungen
Die Grundinhalte des Kurses werden anhand (deutschsprachiger) Einführungsliteratur entwickelt. Zur Vertiefung sind auch einige englischsprachige Aufsätze zu lesen. Weitere Vorbedingungen – außer natürlich einem Interesse an der Thematik – bestehen nicht.

Garvin Brod, Maurice Chemnitzer

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