Kurs 4: Irre ist menschlich

Wie irre ist krank?

Aktuellen Studien zufolge erfüllen immer mehr Menschen die Kriterien einer psychischen Störung. Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Störungen nimmt exponentiell zu und auch die Kosten für das Gesundheitssystem steigen. Werden die Menschen unserer Gesellschaft also immer kränker? Pathologisieren wir unsere Gesellschaft? Oder wächst unser Bewusstsein für die Bedeutung psychischer Störungen?

Zweifelsohne ist besonders die mentale Gesundheit von entscheidender Bedeutung für Wohlbefinden und Erfolg. Die Frage nach der Definition von Gesundheit stellt jedoch selbst Experten vor eine große Herausforderung. Welche Verhaltensweisen oder mentalen Zustände sind noch normal und ab wann muss man von Krankheit sprechen? Was bedeutet Normalität und wer setzt hier Richtlinien anhand derer das »Normale« vom »Kranken« unterschieden werden kann?

Noch immer beherrschen zahlreiche Vorurteile das Bild psychischer Störungen und auch das Bild derjenigen, die davon betroffen sind, in unserer Gesellschaft. Begriffe wie »Klapsmühle«, »Irrenanstalt« und »Wahnsinn« gehören genauso zur Alltagssprache wie »Das ist doch verrückt« und »Er verhielt sich völlig schizophren«. Während der Kursarbeit soll nicht nur ein differenziertes Störungswissen über die häufigsten psychischen Störungen vermittelt werden – sodass die Teilnehmenden unter anderem lernen, dass »schizophren« zu sein nichts mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun hat – sondern auch Begrifflichkeiten hinterfragt und diskutiert werden.

Neben einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Frage, was als krank definiert werden kann, soll der Kurs besonders auf die Konsequenzen einer solchen Definition eingehen. Wie soll eine Gesellschaft mit Menschen, die die Kriterien einer psychischen Störung erfüllen, umgehen? Welche Rahmenbedingungen rechtfertigen beispielsweise Zwangsmaßnahmen? Oder behandeln wir (frei nach Manfred Lütz) »die Falschen« und »unser Problem sind die Normalen«? So soll in der Kursarbeit beispielsweise auch diskutiert werden, inwiefern psychiatrische Einrichtungen sogar als wie es von Vertretern der Antipsychiatrie genannt wird »menschenverachtendes Terrorsystem« gesehen werden können.

Wir möchten in unserem Kurs das schon angesprochene Störungswissen sowie die Bandbreite unterschiedlicher Schulen und Richtungen der Therapie mittels Referaten, Filmanalysen und Fallbeispielen erarbeiten. Dabei ist kein Vorwissen notwendig. Voraussetzung für die Kursteilnahme sind lediglich Spaß und Interesse an der dargestellten Thematik.

Annika Benz, Nadja Ianusevitsch

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