Kurs 3: Wenn Zellen die Kontrolle verlieren

Molekularbiologie und die dunkle Seite der Macht

Der menschliche Körper besteht aus Billionen von Zellen, die sich alle aus einer einzigen Zelle entwickelt haben. Trotz dieses gemeinsamen Ursprungs erfüllen sie hunderte verschiedener Aufgaben: Sie bilden spezialisierte Gewebe und tragen so auf unterschiedlichstem Wege zum Überleben des Organismus bei. Dabei muss die genetische Information der Zelle sicher gespeichert werden um für die jeweiligen Funktionen zur Verfügung zu stehen. Doch woher weiß die Nervenzelle, dass sie ins Gehirn gehört und welche Information sie dazu abrufen muss? Und was passiert, wenn diese Entscheidungsprozesse versagen?

Um diese und weitere Fragestellungen rund um zelluläre Regulation geht es in dem Kurs. Die Teilnehmenden erarbeiten im Vorfeld mittels Fachpublikationen Grundlagen der Zellbiologie und tragen diese dann in der Kursarbeit zusammen. Dabei wird auf Struktur und Funktion der Zelle und ihrer Organelle eingegangen, umso zu erläutern, was eine Zelle benötigt um ihre jeweilige Aufgabe zu erfüllen. Davon ausgehend setzen die Teilnehmenden sich mit den Regulations- und Steuermechanismen auseinander, denen eine Zelle unterliegt: Wann bewegt sich eine Zelle, wie reagiert sie auf äußere Reize und wann teilt sie sich?

Die Teilung von Zellen ist wesentlich für die Regeneration von Geweben und dem Aufrechterhalten ihrer Funktion. Mit der Teilung können sich die entstehenden Tochterzellen aber auch verändern und neue Aufgaben übernehmen. Dieser Vorgang ist naturgemäß äußerst komplex und bedarf einer engen Kontrolle, ohne die vielzelliges Leben nicht möglich ist. Besonders verehrende Folgen hat es daher, wenn diese Kontrolle versagt: Wenn Zellen sich ungehemmt teilen und wachsen, können Tumore entstehen.

Mit Beispielen aus Klinik und Grundlagenforschung werden die Auswirkungen von Deregulation und fehlender Kontrolle diskutiert. Anhand von Fallbeispielen erarbeiten die Teilnehmenden die molekularen Entstehungsmechanismen von Krebserkrankungen. Es werden klassischen Kennzeichen der onkogenen Transformation erarbeitet und aktuelle Forschungsschwerpunkte werden vorgestellt: Welche Rolle spielen Infektionen in der Krebsentstehung? Wie kann man das eigene Immunsystem trainieren um die entarteten Zellen zu erkennen und zu zerstören? Darauf aufbauend versuchen die Teilnehmenden Wege zu finden, auf molekularer Ebene in den Krankheitsverlauf einzugreifen und entwickeln so zielgerichtete Therapiekonzepte.

Ziel dieses Kurses ist es molekularbiologisches Detailwissen zu erarbeiten ohne die medizinische Relevanz aus den Augen zu verlieren. Der Kurs orientiert sich dabei maßgeblich an den Interessen und der aktiven Mitgestaltung der Teilnehmenden.
Teilnahmevoraussetzungen

Voraussetzung für die Kursteilnahme sind Interesse am Thema, hohe Motivation und die Bereitschaft, sich auch im Vorfeld mit englischsprachiger Fachliteratur zu beschäftigen.

Katharina Becker, Lorentz Wüsthof

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