Kurs 5: Die Römer in Deutschland

Bereits Mitte des 1. Jh. v. Chr. — während des Gallischen Krieges unter der Regie des Gaius Iulius Caesar — trat Rom in Kontakt mit germanischen Stämmen, die weite Teile des heutigen Deutschlands besiedelten. Nach seinen Erfolgen in Gallien propagierte Caesar den Rhein als Grenze zwischen dem Römischen Reich und den Germanen. Allein die Germanen erkannten diese Grenze nicht an und unternahmen fortwährend Überfälle in linksrheinisches römisches Territorium. Um der Situation Herr zu werden, unternahm Rom im Jahre 12 v. Chr. eine große Offensive, die tief nach Germanien hineinführte. Zur strategischen Absicherung war vorab das Alpen- und Voralpengebiet bis zur Donau okkupiert worden. Tiberius und Drusus, Stiefsöhne des Kaisers Augustus, leiteten in der Folgezeit mehrere rechtsrheinische Kriegszüge — offenbar mit Erfolg. Jedenfalls behauptet der römische Geschichtsschreiber Velleius Paterculus, dass es nun nichts mehr gegeben habe, was in Germanien hätte erobert werden können.

Aureus des Kaisers Domitian (RIC 127), Revers: Personifikation der unterworfenen Germania Ð Numismatische Bilddatenbank Eichstätt

Aureus des Kaisers Domitian (RIC 127), Revers: Personifikation der unterworfenen Germania Ð Numismatische Bilddatenbank Eichstätt

Dass dem nicht so war, verdeutlichen jedoch die Auseinandersetzungen der folgenden Jahre und die berühmte Varusschlacht (clades Variana) im Teutoburger Wald (9 n. Chr.). Nachdem der Feldherr Germanicus Iulius Caesar die schwere Niederlage gerächt hatte, beschloss Kaiser Tiberius, die Bemühungen in Germanien einzustellen. Um Rhein und Donau als Grenzen zu markieren, errichtete man eine Kastellkette, die später zum Limes ausgebaut werden sollte. Im letzten Drittel des 1. Jh. wurden schließlich die germanischen Provinzen (Germania Inferior und Germania Superior) eingerichtet, nachdem bereits zuvor die Provinz Raetia gegründet worden war.

Der Kurs »Die Römer in Deutschland« thematisiert die vielschichtige und abwechslungsreiche Geschichte der Römer auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Den zeitlichen Rahmen bilden der Gallische Krieg Caesars und die Zeit um 500 n. Chr. Mit Hilfe literarischer Quellen soll ein chronologisches Grundgerüst erarbeitet werden. Daneben werden archäologische, epigraphische und numismatische Zeugnisse (Inschriften und Münzen) herangezogen, um Fragestellungen zu entwickeln und zu beantworten, die über das Grundwissen über die Römer hinausreichen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf dem römischen Militär und dem Limes liegen: Wie war das römische Heer organisiert, bewaffnet und ausgerüstet? Welche konkreten Aufgaben nahm es wahr? Wo war es stationiert? Wie gestaltete sich das Alltagsleben der Soldaten? Welchem Zweck diente der Limes? Gleichzeitig sollen zivile Aspekte des Provinzlebens beleuchtet werden: Wie verwaltete Rom seine Provinzen? Wie lebte die Landbevölkerung, wie sah eine römische Stadt aus? Wie waren Handel und Verkehr geregelt? Natürlich soll auch ein Blick auf die Gebiete jenseits des Limes geworfen werden: Wer sind die Germanen und wie lebten sie im Vorfeld der Grenze? Welche Formen und Wege des Austausches gab es zwischen Rom und den Germanen?

Teilnahmevoraussetzungen:
Sichere Lateinkenntnisse sind für den Kursinhalt sehr nützlich.

Agnes Luk, Raphael Kernert

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