Programm 2022

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Workshops

Hatespeech – Hassrede erkennen, verstehen und bekämpfen

Gewalt gegen queere Menschen beschränkt sich nicht nur auf die physische Welt, besonders in sozialen Netzwerken häufen sich Hatespeech (Hassrede) und Beleidigungen. Um dagegen vorzugehen, können solche Beiträge mithilfe von mathematischen Modellen herausgefiltert werden. Da es sich jedoch um natürliche Sprache – eine, die wir Menschen jeden Tag sprechen – handelt, entstehen bei der Verarbeitung einige Herausforderungen.

So kann die Bedeutung vom Kontext abhängen und queere Personen zensiert werden, wenn sie Ausdrücke zum Empowerment benutzen, die in anderen Kontexten als Beleidigung genutzt werden. In dem Workshop werden wir uns dieser Problematik aus verschiedenen Perspektiven nähern. Wir thematisieren die Erkennungsalgorithmen und was sie (noch nicht) können, einige Lösungsstrategien und den persönlichen Umgang mit Hatespeech.

Ihr braucht kein Informatik- oder Mathewissen, um am Workshop teilzunehmen.

Gender (non-)binary in der biologischen Psychologie

Forschung über „Geschlechterunterschiede“ in der Psychologie kann helfen, Unterschiede zwischen Menschen sichtbar zu machen und besser zu verstehen. Dies ist ein Fortschritt gegenüber der Zeit, in der Studien fast nur zum Erleben und Verhalten von Männern durchgeführt wurden. Nun läuft die Forschung aber oft Gefahr, bestehende cis-heteronormative Stereotype zu reproduzieren. Das lässt Stereotype aussehen wie ein wissenschaftlich belegtes Naturgesetz über zwei biologische Geschlechter.

Die Berücksichtigung von queeren Fragestellungen schafft in der Psychologie ein Bewusstsein dafür, was Geschlecht überhaupt ist. Nämlich, dass Geschlecht zwar biologische, aber auch psychologische und soziologische Ebenen hat. Zuerst werden wir uns Grundlagen psychologischer Forschung anschauen, die zeigen, warum binäre cis-heteronormative Geschlechter kein Naturgesetz sind. Wir werden anschauen, wie viel von dem, was Menschen mit „Mann“ und „Frau“ verbinden, wissenschaftlich gar nicht belegt werden kann. Gemeinsam überlegen wir dann, wie man es besser machen kann.

Liebe, Lust und Legionäre: Gender und Sexualität im alten Rom

Die römische Antike wird nur selten mehr als beiläufig erwähnt, wenn es um „Queer History“ geht. Dabei sind die antiken Quellen voller Geschichten und Kommentare über gleichgeschlechtliche Liebe und Brüche der Geschlechternormen. Mit großem Erfolg erklärte Kaiser Hadrian seinen Geliebten Antinoos zum Gott, Dichter schrieben Liebesverse an ihre männlichen Verehrten, und der Satiriker Juvenal zog mit beißendem Spott über Mä nner her, die in geheimen Zeremonien andere Männer heirateten. Ist es möglich, die Aussagen dieser Quellen zu einem stimmigen Gesamtbild der römischen Sexualitäts- und Geschlechterkonzeption zusammenzufügen? Wie blickte die damalige Gesellschaft auf „queere“ Sexualität? Und wie entstehen eigentlich die Informationen, die in Geschichtsbüchern und Fernsehdokus als objektive Fakten präsentiert werden? In diesem Workshop haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, selbst „Geschichte zu schreiben“ und als Historiker*innen Antworten auf diese Fragen zu finden. Dazu schenken wir den (ins Deutsche übersetzten) Meinungen der Zeitgenossen selbst Gehör: den Stimmen liebeskranker, vulgärer und gehässiger Römer, deren politische Reden, gesellschaftliche Satiren und frivole Gedichte ganz nebenbei ein komplexes Bild der Normen ihrer Zeit zeichnen.

Act-ivsm: Die AIDS-Epidemie, Broadway und Aktivismus

Die AIDS Epidemie in den 1980er prägte eine ganze Generation queerer Menschen: Sie erkrankten selbst, sahen wie Menschen in ihrem Umfeld erkrankten und starben und doch fehlte – im Gegensatz zu etwa der Covid-19 – eine gesellschaftliche, mediale oder politische Reaktion. New York war eines der frühen Epizentren der AIDS Epidemie und die mit queeren Menschen gefüllte Theaterszene verarbeitete das Thema. In diesem Workshop werden wir gemeinsam Ausschnitte aus verschiedenen Broadway-Dramen lesen, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven behandeln: von aktivistischen Werken wie „The Normal Heart“ bis hin zu „Falsettos“, dessen zweiter Akt als Reaktion auf die Epidemie entstand. Was können wir heute aus den Stücken lernen? Wie ähneln und unterscheiden sich die Stücke? Wie ist der Umgang mit dem Thema AIDS? Und wie ändert sich dies im heutigen Kontext?