“Umwelt” – Worüber reden wir da eigentlich immer?

Zehn Tage an der JGW-Schülerakademie in Papenburg

Als ich am 5. August 2015 in den Zug stieg, war mein Kopf voller Fragen. Schülerakademie – Was genau ist das? Was erwartet dich da jetzt? Sind da etwa nur Streber? An der historisch ökologischen Bildungsstätte, kurz Hoeb, in Papenburg angekommen, lösten sich alle Bedenken direkt in Luft auf. Die Hoeb ist ein tolles Gebäude direkt an einem See gelegen und wir wurden vom Akademieteam unglaublich freundlich empfangen. Mit ein paar Mädels, die auch schon früh da waren, unternahm ich dann auch direkt bei strahlendem Sonnenschein die erste Bootstour durch die umliegenden kleinen Kanäle. Als alle eingetroffen waren, herrschte bei uns 90 Jugendlichen, alle zwischen 16 und 18 Jahren alt, von Beginn an eine super Stimmung. Alle waren offen und extrem gespannt so viele neue Menschen kennenzulernen.

Wir hatten uns jeder für einen von sechs Kursen entschieden, welche vom Immunsystem über Konstruktionsmethodik bis hin zur Auseinandersetzung mit Begabung reichten. In meinem Kurs „Umwelt-Bewusstsein“ waren wir 14 „Wissenschaftler“ aus unterschiedlichen Disziplinen und haben uns zusammen mit unseren zwei Kursleiterinnen in Form einer Konferenz mit dem Umweltbegriff befasst. Dabei lag das Hauptaugenmerk auf dem interdisziplinären Austausch, um den Begriff Umwelt zu präzisieren. Das hieß für uns häufig: hitzige Diskussionen bis mir der Kopf rauchte, denn schließlich machen oft die Feinheiten den Unterschied aus und diese zu erkennen ist nicht so einfach. Doch um den Kopf freizubekommen, ging es dann eine Runde nach draußen und es wurde unter lautem Gelächter „Zublinzeln“ gespielt oder das super leckere und gleichzeitig gesunde Mittagessen stand als Abwechslung auf dem Programm. Während unserer Kursarbeit wurde uns bewusst, dass Umwelt viel mehr bedeutet als „nur“ Natur und Klimaschutz, denn man kann sich Umwelt aus so vielen Perspektiven nähern, sei es aus literaturwissenschaftlicher, mathematischer, psychologischer oder biologischer Sicht. Somit war jede Kurseinheit aufs Neue spannend und von lauter verschiedenen Eindrücken geprägt. Immer wieder gab es auch Statements oder Diskussionen, welche unsere ganze Gruppe zum Lachen brachten.

Auch außerhalb der Kurszeiten habe ich mein Zimmer quasi nur zum Schlafen gesehen. Der Morgen begann um sieben Uhr mit einer Joggingrunde über die Felder, mit der wir paar Leute der Müdigkeit davongelaufen sind ;-) Die Kurszeiten waren vormittags und am späten Nachmittag, somit war dazwischen und abends viel Raum für eigene Freizeitgestaltung. Diese Zeit wurde dann auch randvoll gepackt mit sogenannten „KüA´s“ – kursübergreifenden Angeboten – die wir Teilnehmer uns selber ausdenken und leiten konnten. Dabei war für jeden etwas dabei: viel Musik, wie Orchester und Chor, Ultimate Frisbee oder Fußball, Freibadausflüge und Ruderbootstouren, aber auch Standardtanzabende, „Ägypten für Anfänger“, Foto-Workshops und Planspiele. Ein besonderes Highlight für mich war die Nacht der Sternschnuppen. Wir legten uns mit ein paar Leuten und dicken Decken in den Garten und bewunderten die wunderschönsten und größten Sternschnuppen meines Lebens. Wie jeden Abend entstanden währenddessen auch viele spannende, lustige, philosophische und persönliche Gespräche.

Auch von der Akademieleitung wurden ein paar zusätzliche Events für alle angeboten, wie ein Lagerfeuerabend mit Stockbrot oder ein Rotationstag, an dem wir Einblicke in die anderen Kursarbeiten bekommen haben. Besonders schön war der Halbtagesausflug, den ich mit einer Moorführung und voll Freude vollgepampt bis zu den Oberschenkeln in der Moormatsche verbracht habe. Als sich die Zeit dem Ende näherte fanden ein Akademiekonzert und ein bunter Abend statt, wo von Poetry Slam über ganz viel Musik bis hin zu grandioser Jonglage mit Äpfeln – welche unter lautem Applaus währenddessen verspeist wurden – alles vertreten war.

Abschied

Als es Zeit war Lebewohl zu sagen, flossen einige Tränen und alle trennten sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Besonders schön war das Schülerakademie-Abschlussritual, bei dem wir eine Umarmungskette gebildet haben und somit jeder jeden noch einmal fest in die Arme schloss. Schnell noch viele Abschiedsfotos und dann ging es auch schon in die verschiedensten Ecken Deutschlands und sogar nach Ägypten und China zurück! Mir haben diese zehn Tage unglaublich viel Spaß gemacht, ich habe sehr viel gelernt und Neues gezeigt bekommen. Zusätzlich habe ich sooo viele tolle und besondere Leute kennengelernt, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe und die ganz schnell einen Platz in meinem Herzen ergattert haben.

Auch wenn es anstrengend ist, würde ich jedem der die Chance bekommt an einer Schülerakademie teilzunehmen direkt raten: „Nutze diese Gelegenheit auf jeden Fall, es ist eine einzigartige und einmalige Erfahrung!“

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