Kurs 6: Postkoloniale Perspektiven

Postkoloniale Perspektiven auf den Klimawandel

Die historischen Verursacher des Klimawandels sind in erster Linie die Industrieländer des globalen Nordens, doch die Leidtragenden der globalen Erwärmung sind hingegen vor allem Menschen im globalen Süden. Deren Treibhausgasemissionen pro Person machen teils noch heute nur einen Bruchteil beispielsweise der deutschen Pro-Kopf-Emissionen aus.

Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen, die im Zuge des Klimawandels zunehmen, treffen jene Länder besonders hart, die nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um sich vor den Naturgewalten zu schützen, zum Bespiel um Deiche zu bauen oder Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft zu verbessern. Sowohl Ursachen als auch Folgen des Klimawandels sind mit globalen Ungerechtigkeiten und Dominanzverhältnissen verbunden. Eine gelungene weltweite Klimaschutzpolitik könnte die Chance bieten, Machtstrukturen abzubauen und globale Gerechtigkeit zu fördern. Doch sind wir auf dem richtigen Weg? Bauen die vorherrschenden Klimaschutzstrategien tatsächlich Ungerechtigkeiten ab oder manifestieren sie Dominanzstrukturen?

Interdisziplinäre Zugänge zu globalen Machtstrukturen

Mit Hilfe Postkolonialer Theorien versucht der Kurs, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Er verbindet naturwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf eine nachhaltige Entwicklung und soll herausarbeiten, wie Klimaschutz global gerecht auf Augenhöhe gelingen kann.

Zunächst wird ein grundlegender Überblick über die Funktionsweise des Klimawandels erarbeitet, bevor aktuelle klimapolitische Strategien betrachtet werden. Dies wird in den Kontext der nachhaltigen Entwicklung eingeordnet und anhand des Konzepts „Safe and Just Space for Humanity“ verdeutlicht. Darauf aufbauend fokussiert sich der Kurs Postkolonialen Perspektiven, die dazu dienen sollen, Macht- und Dependenzverhältnisse in kontemporären klimapolitischen Strategien herauszuarbeiten.

Gerechte(re)r Klimaschutz in der Praxis

In einem zweiten Block werden die gewonnenen Erkenntnisse in zwei Praxisbeispielen überprüft: Zum einen geht der Kurs auf konkrete Projekte wie der Bau des Belo-Monte-Staudamms und der Yasuní-ITT-Initiative ein. Diese verdeutlichen die Herausforderung, Klimaschutzprojekte und ganzheitlich nachhaltige Entwicklung gleichsam zu verwirklichen. Zum anderen beleuchtet der Kurs mit einem differenzierten Verständnis der Chancen und Schwierigkeiten zwei Ansätze der Klimaanpassung in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Malawi und im Küstenschutz in Bangladesch. Gemeinsamen mit lokalen Praxisakteuren, die per Videokonferenz zugeschaltet werden, wird erörtert, wie Projekte in diesem Kontext zu nachhaltiger Entwicklung beitragen und dabei postkoloniale Perspektiven miteinschließen können.

Abbildung 1: Beim Bau von Wasserkraftwerken steht die klimafreundliche Energiegewinnung häufig - wie hier in Belo Monte, Brasilien - der Entrechtung der lokalen indigenen Bevölkerung entgegen.  Photo: Pascalg622 [Creative Commons]

Abbildung 1:
Beim Bau von Wasserkraftwerken steht die klimafreundliche Energiegewinnung häufig – wie hier in Belo Monte, Brasilien – der Entrechtung der lokalen indigenen Bevölkerung entgegen.
Photo: Pascalg622
[Creative Commons]

Der Kurs erfordert keine spezifischen Vorkenntnisse außer der Bereitschaft, sich intensiv mit Texten, teilweise auch auf Englisch, auseinanderzusetzen.

Den Kurs leiten Ulrike von der Ohe und Carl Frederick Luthin.

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