Kurs 5: Postwachstum

Postwachstum als Antwort auf den Klimawandel

Unbegrenztes Wirtschaftswachstum auf einer begrenzten Erde?

Gemäß aktueller Prognosen der Klimaforschung wird eine Erderwärmung von 4-6°C innerhalb dieses Jahrhunderts eintreten, was mit irdischem Leben, wie wir es kennen, unvereinbar ist. Um diese Erwärmung wirksam abzumildern, muss der Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduziert werden. In einem fossilen, wachstumsorientierten Wirtschaftssystem geschieht dies nur in Zeiten unerwünschter Rezessionen. Dennoch bestimmen im Rahmen einer „Green Economy“ vorwiegend technische Lösungen die Mehrheit der Nachhaltigkeitsdebatten – eine Welt ohne Wirtschaftswachstum scheint unmöglich. Allerdings werden immer häufiger auch andere Alternativen im Rahmen einer Postwachstumsökonomie (‘Degrowth’) diskutiert. In diesem Kurs werden daher Ansätze erarbeitet, wie ein nachhaltiges Gesellschaftsmodell ohne Orientierung am Wirtschaftswachstum erreicht werden kann, das die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen und ein gutes, gerechtes Leben für alle in den Mittelpunkt stellt.

Wie hängen Klimawandel, Nachhaltigkeit und Wachstum zusammen?

Im ersten Kursabschnitt wird zunächst beleuchtet, was an der gegenwärtigen Lage – im Hinblick auf Klima und Umwelt, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft – problematisch ist, wie es historisch soweit kam und warum Veränderungen so schwierig sind. Anschließend folgt eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Klima- und Nachhaltigkeitspolitik, und warum auf lange Sicht ein solcher Ansatz als nicht effektiv angesehen werden kann. Besonders wichtig ist dabei die Frage, was Wachstum eigentlich ist und warum es als gesamtgesellschaftliches Leitmotiv ungeeignet ist.

Abbildung 1 Demonstrierende fordern Degrowth und effektiven Klimaschutz vor der scheiternden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen.  Photo: Vilhelm Rothe

Abbildung 1
Demonstrierende fordern Degrowth und effektiven Klimaschutz vor der scheiternden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen.
Photo: Vilhelm Rothe

Welche Chancen bietet die Postwachstumsgesellschaft?

In der zweiten Kurshälfte wird gemeinsam erarbeitet, wodurch sich Postwachstum auszeichnet und wie es in verschiedenen Bereichen gedacht und gestaltet werden kann. Die Bedeutung von sozialen Bewegungen wird ebenso behandelt wie Umwelt- und Klimagerechtigkeit oder Regionalisierung und Demokratisierung zentraler Lebensbereiche. Zudem werden Schlaglichter auf beispielhafte Themenfelder geworfen: Arbeit und Zeitnutzung, Geld und Zins, oder die Philosophie der Suffizienz. Ganz konkret wird die Frage nach der Verwirklichung dieser Ideen, wenn die Bedingungen, Hindernisse und Akteure einer sozial-ökologischen Transformation kartiert werden.

Kritischer und interdisziplinärer Ansatz

Um der Problematik ganzheitlich gerecht zu werden, wird der Kurs interdisziplinär gestaltet, unter Einbezug der Erdsystemwissenschaften und der Sozialwissenschaften. Ein Großteil der verwendeten Literatur wird in englischer Sprache sein, daher ist eine Affinität zur Sprache hilfreich. Neben klassischer Wissensvermittlung und deren Diskussion wird die Thematik mithilfe vielfältiger Methoden wie Interviews/Vorträge von Expertinnen und Experten, Planspiel, Gruppenarbeit und -präsentationen erarbeitet. Thematisch passend wird zudem zu jeder Sitzung Musik gehört und besprochen. Insbesondere kritisches Denken soll geschult werden.

Den Kurs leiten Maja Hoffmann und Theresa Dorn.

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