Kurs 2: Ökosysteme

Ökosysteme unter Druck – Biodiversität, Klimawandel und der Mensch

Der Mensch stellt eine enorme Belastung für verschiedene Ökosysteme dar. Weltweit kommt es momentan zu einem der dramatischsten Artensterben, das unser Planet je gesehen hat. Dennoch singt vor dem Fenster ein Rotkehlchen, Frösche quaken im Teich und Mücken quälen wie immer. Inwiefern betrifft also der Artenschwund die einheimischen Ökosysteme und beeinflusst das Leben in Deutschland?

Schwindende Biodiversität vor der Haustür

Wer jedoch den Schwarzwald betrachtet, bekommt ein völlig anderes Bild: Ganze Waldstriche sind von Borkenkäfern zerfressen, Stürme haben den angeschlagenen Bäumen den Rest gegeben. Einer der Gründe für den Zerfall ist der Mangel an Diversität unter den Bäumen, die als Monokultur-Forste für die Holzgewinnung gepflanzt wurden. Sind die Ökosysteme erst geschwächt, fallen auch für den Menschen wichtige Dienstleistungen weg. Doch wie kann festgestellt werden, ob die Biodiversität einer Region schwindet und was bedeutet dieser Schwund für die Menschen? Schließlich sind nicht alle Lebewesen so leicht zu zählen wie Bäume und Wälder liefern den Menschen weit mehr Dienstleistungen als reines Holz.
Im Rahmen des Kurses werden diese Fragen beantwortet sowie weitere Ursachen des Artensterbens analysiert. Ein Schwerpunkt liegt auf der praktischen Arbeit im Freiland, bei der Methoden der Biodiversitätsforschung im Gelände angewandt werden. Ausflüge zu besonderen Ökosystemen der Region werden zeigen, dass nicht nur der ferne Regenwald, sondern auch Biodiversität vor Ort bedroht ist. Durch Gespräche mit ansässigen Naturschützern wird ein Eindruck von rechtlichen Hintergründen, Konfliktfeldern sowie der Umsetzung von Erkenntnissen der Biodiversitätsforschung in praktischen Naturschutz gewonnen.

Das Moor "Esterweger Dose" bei Papenburg war das bedeutendste Brutgebiet des Goldregenpfeifers (Pluvialis apricaria) in Deutschland, doch seit 2011 wurden keine Brutpaare beobachtet. Foto: E. K. Engelhardt, Moor im Süden Islands

Das Moor „Esterweger Dose“ bei Papenburg war das bedeutendste Brutgebiet
des Goldregenpfeifers (Pluvialis apricaria) in Deutschland, doch seit 2011 wurden keine Brutpaare beobachtet.
Foto: E. K. Engelhardt, Moor im Süden Islands

Ökosysteme im Wandel

Nicht nur die Artenzahl weltweit verändert sich, sondern auch die Zusammensetzung der Ökosysteme. Seit der Entstehung des Lebens gab es viele Veränderungen in der Organismenwelt, die zum Teil weitreichende Auswirkungen auf das Klima hatten. Auch heute können Veränderungen der Ökosysteme das Klima massiv beeinflussen. Weltweit arbeiten Forschungsgruppen an diesen Zusammenhängen und liefern vielfältige Ergebnisse über die Interaktion von Klima und Biodiversität. Als Teil der theoretischen Kursarbeit werden Einblicke in die aktuelle Forschung in Kontext gebracht mit dem erdgeschichtlichen Hintergrund.

Von Theorie zu Praxis – und zurück

Im Laufe der Akademie wird so der Bogen geschlagen von theoretischem Wissen zu praktischen Methoden aus Forschung und Naturschutz. Die Themen Klimawandel und Umgang des Menschen mit der Natur sollen aus biologischer Sicht betrachtet werden. Es werden wissenschaftliche, zum Teil englische, Artikel bearbeitet, besondere Vorkenntnisse sind jedoch nicht erforderlich.

Den Kurs leiten Jadga Hügle und Eva Katharina Engelhardt.

Kommentare sind geschlossen.